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Bericht der Basler Zeitung vom 6.10.2009

Geduldsprobe für Senioren

Gesundheitsdirektor Carlo Conti verzögert die Alterspolitik

Ralph Schindel

Die Konsternation bei der Seniorenkonferenz ist gross. Mit viel Engagement wurde daran gearbeitet, den Leitlinien der Seniorenpolitik konkrete Massnahmen folgen zu lassen. Diese verzögern sich jetzt.

Eines hatte sich Bündnis-Grossrat Markus Benz (71) geschworen, als er Vorsitzender der Seniorenkonferenz Basel-Stadt wurde: «In der Seniorenpolitik sollen keine weiteren Papiertiger geboren werden.» In der Seniorenkonferenz sind verschiedene Organisationen wie zum Beispiel die Grauen Panther, die IG 60+ oder der Seniorenverband Nordwestschweiz zusammengefasst. Die Gefahr ist nun aber gross, dass tatsächlich nur ein weiterer Papiertiger zur Welt kommt. Und das, nachdem eineinhalb Jahre in drei Arbeitsgruppen an den Themen Sicherheit, Gesundheitsförderung-Prävention und Wohnen im Alter gearbeitet wurde.

In den paritätisch aus Fachleuten, Senioren und Verwaltungsvertretern zusammengesetzten Gruppen wurden Berichte verfasst, zu denen das Gesundheitsdepartement (GD) einen Mantelbericht schrieb. Alles zusammen hätte laut Benz im Sommer von Gesundheitsdirektor Carlo Conti (CVP) in den Regierungsrat gebracht werden sollen. Es habe auch eine entsprechende Zusicherung seitens des GD gegeben. Dann sei plötzlich eine Absage gekommen, die Benz als «unerwartet und unerfreulich» beschreibt. «Carlo Conti forderte Präzisierungen und Ergänzungen zu den verabschiedeten Berichten.»

Kostenfrage. Aus dem GD ist zu hören, dass vor allem die Vorstellungen der Gruppe Wohnen im Alter im Departement auf wenig Gegenliebe gestossen sind. Konkret wären die Kosten der Umsetzung sehr hoch, für Conti offenbar zu hoch. «Es ist klar, dass die Umsetzung etwas kostet und nicht nur mit Freiwilligenarbeit zu bewerkstelligen ist», sagt Benz. Seiner Meinung nach geht es auch darum, dass die staatliche Verwaltung Bauherren motiviert und animiert, altersfähige Wohnungen zu erstellen.

Weiter wurde die Weigerung, den Bericht in den Gesamtregierungsrat zu bringen, mit interdepartementalen Schwierigkeiten und Entwicklungen in Zusammenhang mit der Verwaltungsreform begründet. Im neu geschaffenen Präsidialdepartement (PD) von Stadtpräsident Guy Morin (Grüne) befasst sich die Abteilung Freiwilligenarbeit der Fachstelle Stadtentwicklung mit diesem Thema und entwickelt eigene Ideen und Konzepte. Der vorerst letzte Dämpfer für die Alterspolitiker war die vorläufige Nichtbesetzung der seit eineinhalb Jahren geplanten Fachstelle für Seniorenarbeit. «Ich bin sehr enttäuscht, wir fühlen uns in der Sache nicht ganz ernst genommen», sagt Benz.

Ob die schleppende Behandlung der Seniorenpolitik am Gerangel zwischen PD und GD liegt, oder ob Carlo Conti andere Gründe hat, wagt Benz nicht zu beurteilen. «Conti hat sich selbst dazu nie geäussert.» Er liess sich auch gestern bei einer Veranstaltung der Grauen Panther von Andreas Faller, Leiter Gesundheitsdienste, vertreten. Benz ist nun gespannt, wie es in der kantonalen Seniorenpolitik weitergeht.

Quelle: Basler Zeitung